Dr. Klaus Rose Buchbesprechung

Taiwan-Experte und ehemaliger
Parlamentarischer Staatssekretär in der Regierung Kohl


Ähnlich wie zu Zeiten der Sowjetunion Bücher von Alexander Solschenyzin die Leser fesselten, muss auch das neue Werk des chinesischen Star-Anwalts GAO Zhisheng gelesen werden. Denn es erinnert in bedrückender Weise an ähnliche Schreckenszeiten. So kamen sie auch in Deutschland vor, während des Dritten Reichs und auch unter der SED-Herrschaft.
GAO Zhisheng betont im Vorwort, dass er nie Literat gewesen sei. In der Tat, von der Kraft der Wörter oder ihrer Wortwahl lebt sein Buch nicht. Für einen Literaturpreis verdächtig ist es also nicht. Trotzdem fesselt es, weil es betroffen macht. Es lässt in manchen Passagen den Atem stocken. Wir hätten eine Weltsensation, wenn sich ein Literaturnobelpreisträger wie Günther Grass des Stoffes annehmen würde.
Die Schilderung von Gaos Leben in ärmlichsten Kinder- und Jugendtagen, von seinem Aufstieg zum ausgezeichneten Anwalt, ausgezeichnet sogar durch Vertreter seines totalitären Staates und der dortigen Einheitspartei, von seinem Kampf für Entrechtete und von seiner Drangsal durch den „Apparat“, ist mitreißend und deprimierend zugleich. Gao hat viel durchgemacht, er wurde schikaniert, ins Gefängnis gesteckt. Trotzdem blieb er voller Hoffnung, dass das chinesische Volk die ihm von einer kommunistischen Partei auferlegten Drangsale eines Tages beenden wird, am besten mit einer „sanften“ oder „orangen“ Revolution. Leider dauert die Diktatur in China aber schon so lange, dass das ganze System korrumpiert ist und „jeder jedem zum Wolf“ wird (homo homini lupus).Das Vorwort des Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Günter Nooke, bleibt angesichts der dramatischen Schilderung fast zu „diplomatisch“. Es war auch unnötig, in diesem Vorwort auf die Erfolge des chinesischen Wirtschaftswachstums zu verweisen. Schillernde Fassaden dürfen niemals den Blick auf menschliche Brutalitäten verstellen. Kotau?


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